Ideales Klima für Geistesblitze

Fotograf Henning Koepke - Gewerbebau Neuburg
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Innovative Raumklimadecke im Zentrum für Fahrzeugentwicklung

Der Neubau des Zentrums für Fahrzeugentwicklung der SVZ in Neuburg an der Donau beeindruckt mit hellen Räumen und großzügigen Außenanlagen. In dem zweigeschossigen Gebäude, bestehend aus Werkzeughalle mit Empfang und Büros, werden Karosserieteile für die Automobilindustrie entwickelt und getestet. Durch CAD-Arbeitsplätze kommt es besonders in den Büroräumen im ersten Stock zu verstärkter Wärmeentwicklung. Daher legten die Bauherren Wert auf eine einfache, energiesparende Lösung zur Temperierung der Büros. Nach umfassender Recherche fiel die Entscheidung für die Verwendung von thermisch aktivierten Spannbeton-Fertigdecken mit integrierten Heiz- und Kühlelementen von der Innovationsgemeinschaft Raumklimasysteme.

Das Gebäude selbst wurde in Stahlbauweise mit Holzaußenwänden errichtet. „Um einer Aufheizung der Büroräume unter dem Dach vorzubeugen, haben wir uns beim Bau bewusst gegen die sonst übliche Trockenbaukonstruktion mit Trapezblechdecke entschieden,“ erläutert Architekt Peter Immich. Stattdessen wurde eine massive Betondecke mit Foliendach und einer Unterseite aus Sichtbeton verwendet. Ein großer Dachüberstand sorgt für zusätzlichen Hitzeschutz. Auf einer Fläche von 400 Quadratmetern wurden in den Büroräumen VMM-Raumklimadecken von der Forschungsgesellschaft VMM Spannbetondecke, einem Mitglied der IGR, verbaut. Diese multifunktionalen Fertigdecken aus Spannbeton wurden von Ketonia aus Weiden in der Oberpfalz, einem Partner der Forschungsgesellschaft, produziert und haben eine Spannweite von sechs Metern und eine Stärke von 20 Zentimetern. Sie sind bereits werkseitig mit Heiz- und Kühlmodulen ausgestattet und kommen anschlussfertig auf die Baustelle. Aufwendige Schal- oder Betonierarbeiten entfallen. Seit März 2015 hat diese IGR-Decke als einzige deutsche Raumklimadecke auch die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung. Da Klimadecken in Deutschland nur mit dieser Zulassung verbaut werden dürfen, müsste sonst für jedes Projekt eine gesonderte Erlaubnis eingeholt werden.

Die allgemeine Zulassung spart also Zeit und Kosten und bietet Sicherheit in puncto Belastbarkeit und Brandschutz. Die Installation von Decke und Klimaelementen erfolgte in einem Arbeitsgang. „Für die Temperierung des Raumes wird dann heißes oder kaltes Wasser durch die Klimamodule geleitet. Mit den thermisch aktivierten Spannbeton-Fertigdecken kann eine Heizlast von bis zu 45 W/m² bei einer Raumtemperatur von 20° C abgedeckt werden, die Kühlleistung erreicht 52 W/m² bei einer Innentemperatur von 26° C, “ erklärt Wilhelm Rüger von der FG VMM Spannbetondecke. Da die Systemtemperaturen nah an der Umgebungstemperatur liegen, ist das Raumklimasystem auch für eine Kombination mit regenerativen Energien oder Wärmepumpen prädestiniert. Der Energieaufwand ist geringer als etwa bei einer Fußbodenheizung, weil der Betonkern selbst thermische Energie speichert und sie nach und nach an den Raum abgibt. Durch die Kombination der Flächenkühlung mit dem thermisch aktivierten Beton ist bei der Kühlung sogar eine Energieeinsparung von 80 – 90 % möglich. Eingesetzt werden diese multifunktionalen Decken als Geschoss- und Dachdecken in allen Bereichen des Hochbaus wie Wohn- und Industriebauten, Schulen, Bürogebäuden, Einkaufszentren und Parkhäusern.

Die Forschungsgemeinschaft VMM Spannbetondecke ist Mitglied der Innovationsgemeinschaft Raumklimasysteme (IGR), einer Kooperation mehrerer Unternehmen, die sich der Entwicklung von innovativen Flächenheiz- und Kühlsystemen verschrieben haben. So gibt es u.a. weitere Varianten der Klimadecke, beispielweise mit integriertem Schallschutz, oder ein Trockenbausystem für die blitzschnelle – auch nachträgliche – Installation wahlweise an Decke, Wand, Boden oder Sockelleiste. Bildquelle: Henning Koepke/IGR